Rückkehr-Depression erwünscht

Studieren in Down Under – das ist der Traum von Vielen. Doch die wenigsten trauen sich, diesen Traum zu verwirklichen. Zu groß ist die Angst vor finanziellen Hürden und massiver Bürokratie. Agenturen wie Gostralia!-Gozealand! helfen dabei. Zukünftig wollen sie auch ihre Arbeit im Bereich Alumni-Netzwerk verstärken.

Porträt von Tobias Forster

Tobias Forster, Chef von Gostralia. Foto: privat

Obwohl Gostralia!-Gozealand! jährlich viele Studierende ans andere Ende der Welt schickt, haben sie wenig Kontakt zu den Rückkehrern. Zwar bereiten sie die Rückkehrer auf den bevorstehenden umgekehrten Kulturschock vor und geben Hilfestellung über die Anrechnung der Kurse. Wie es ihnen aber wirklich geht, kann Tobias Forster, Leiter und Gründer von Gostralia!-Gozealand!, schwer einschätzen. „Wir kriegen sehr gute Bewertungen, die Erfahrungen sind top. Die fragen wir immer ab, wenn die Studenten eine Weile zurück sind.“ Auf die weiteren E-Mails wie beispielsweise über australische Events, Konzerte und Ausstellungen oder Ähnliches erhalten sie allerdings wenig Rückmeldung.

Abenteuer Down Under lieber allein bestreiten

Als Tobias selbst aus Australien zurück kehrte, ging es ihm schlecht. „Ich bin im ersten halben Jahr in ein Loch hineingefallen und das ist auch gut so“, gesteht er. Seiner Ansicht nach gehöre das nach einer tollen Zeit dazu. „Dann weiß man, man war da unten verwurzelt. Insofern wünsche ich unseren Studenten einmal, dass sie ganz tief in ein Rückkehr-Depressions-Loch fallen.“ Unverständlich findet er, wenn manche jungen Menschen nach einem Auslandsaufenthalt wieder froh sind, in Deutschland zu sein. „Da denke ich manchmal, die haben es nicht ausgenutzt.“ Dass die Verwurzelung bei einem Semester nicht so groß sein kann, wie bei einem Jahr, sei ihm aber auch bewusst. Und er rät: „Geh nicht mit Freunden, geh allein und bleibe in Down Under nicht nur unter Deutschen, sonst ist es keine Herausforderung und bringt dich nicht weiter.“ Ansonsten sei die Zeit zu schade und man könne gleich in Deutschland bleiben, so Tobias.

Viele Ansprechpartner, unterschiedliche Antworten

Gegründet hat Tobias das Unternehmen vor 16 Jahren, als er selbst zum Studieren nach Australien ging. „Damals gab es solche Agenturen nicht und da habe ich gesehen, wie schwierig das ist, so etwas selber zu organisieren“, sagt Tobias. Viele Ansprechpartner, dieselbe Frage und trotzdem verschiedene Antworten. Was fehlte, war ein fester Ansprechpartner für Studierende in ganz Deutschland. Durch Agenturen wie Gostralia!-Gozealand! hat sich das geändert. „Vor 10-15 Jahren haben viele Agenturen damit angefangen, aber viele haben sich mittlerweile auf die USA spezialisiert, weil da der Markt einfach größer ist“, erzählt Tobias. Für ihn kam das nicht infrage. „Unsere DNA ist Australien, ich habe dort studiert, meine Frau ist Australierin und auch unser Team ist eine homogene Down Under-Truppe.“ Besonders stolz ist er darauf, dass seine Firma deutschlandweit Büros hat und wenig Personalwechsel. „Unsere Studienberaterinnen sind langjährig erfahren, haben viele Trainingsreisen gemacht und kennen die Universitäten und die Leute persönlich“, so Tobias.

Warnschilder vor Kamelen, Wombats und Kängurus auf verlassener Straße im Outback

So etwas gibt es nur in Australien: Vorsicht vor Kamelen, Wombats und Kängurus. Foto: GOstralia!-GOzealand!

Günstiger Wechselkurs lockt viele Studierende

2015 begannen etwa 2.200 junge Menschen ein Studium in Australien, in Neuseeland zwischen 200 und 300. Diese Zahlen beinhalten jedoch auch diejenigen, die ohne Agentur gehen, egal, ob selbst organisiert oder über die Universität. Wie viele genau Gostralia!-Gozealand! nutzen, möchte Tobias aber nicht verraten. „Wir haben auf jeden Fall genug zu tun“, lacht er. Ein ausschlaggebender Faktor für Interessierte ist der Wechselkurs. Je günstiger, desto mehr Deutsche wagen das Abenteuer Studium Australien oder Neuseeland. „Momentan können viele Studierende wieder mit dem Bafög kostenfrei dort studieren, das war vor zwei Jahren nicht der Fall, weil da der Wechselkurs wegen der Finanzkrise so schlecht war“, erklärt Tobias. Damals hätten viele für ein Semester umgerechnet 6.000-6.500 Euro bezahlt, jetzt hingegen fangen die Kosten für ein Semester bereits ab 3.700 Euro an. Die meisten Studierenden, die nach Down Under gehen, sind im 4. oder 5. Semester ihres Bachelors, überwiegend Anfang 20 und im gleichen Maße männlich und weiblich. „Viele sind aus dem Studiengang BWL, ansonsten verteilt es sich ganz gut in den Bereichen Medien, Humanities und auch immer mehr Ingenieure“, so Tobias.

Service für Studierende kostenlos

Für die Studierenden ist der Service von Gostralia!-Gozealand! kostenfrei. Das funktioniert, weil die Universitäten in Australien und Neuseeland die Agentur sponsern. Für die Universitäten ein lukratives Geschäft. Wenn sie es selbst machen müssten, bräuchten sie in jedem Land oder zumindest auf jedem Kontinent Studienberater. Dieses Personal bräuchte Fachwissen über die Modalitäten des jeweiligen Landes wie beispielsweise über die Finanzierungsmöglichkeiten. „Das kann man eigentlich nicht stemmen, daher ist es für die Universitäten risikofreier, wenn sie mit Agenturen zusammen arbeiten“, erklärt Tobias. Sein Unternehmen versteht sich daher als offizieller Repräsentant der australischen und neuseeländischen Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wir versuchen, das hohe Bildungsniveau der australischen und neuseeländischen Universitäten hier in Deutschland und Europa bekannt zu machen“, sagt Tobias. Oftmals denke man bei hohem Bildungsniveau eher an Universitäten in Großbritannien oder in den USA. „Prozentual sind mehr australische Unis in den Top 100 als deutsche Unis“, so Tobias. In deutschlandweiten Vorträgen und Infoveranstaltungen erklärt Gostralia!-Gozealand! den interessierten Studierenden, wie sie ihren Traum vom Auslandsstudium verwirklichen können. „Die meisten möchten für ein Semester ins Ausland, aber man kann auch das ganze Studium oder Forschungs-Programme dort machen.“

Tobias Forster hält einen Vortrag vor einer Menge

Auf Vorträgen gibt Tobias wichtige Tipps für die Planung eines Auslandsaufenthaltes. Foto: GOstralia!-GOzealand!

Alumni-Netzwerk ausbaufähig

Gostralia!-Gozealand! preist auf ihrer Webseite die Mitgliedschaft im „exklusiven“ Alumni-Netzwerk als Teil des Services an. Als Alumni werden Absolventen einer Hochschule oder einer ähnlichen Bildungseinrichtung bezeichnet. Konzept ist, dass die Studierenden in spe in Facebook-Gruppen bereits Kontakt zu Alumni aufnehmen können. „In den Gruppen sind Studierende, die noch in Down Under sind, die schon zurück sind und Leute, die sich über uns bewerben“, berichtet Tobias. So könne ein guter Austausch statt finden wie beispielsweise über Wohnmöglichkeiten und Reisetipps. Teilweise werden auch Wohnungen von Rückkehrern an zukünftige Studierende weitergegeben. Dennoch hakt es noch an vielen Punkten des Alumni-Netzwerkes, vor allem die Aktivität. „Es gehört nicht zur Mentalität der Deutschen, mit einer Universität so verbunden zu sein“, vermutet Tobias. Ganz anders in Amerika. „Dort werden hohe Studiengebühren bezahlt, wo die Eltern teilweise 20 Jahre lang dafür sparen, dann ist das natürlich eine andere Bindung.“ Zwar zahlen Deutsche dann in Australien und Neuseeland auch Studiengebühren, aber „wenn ich aus einer Kultur komme, bei der es nicht üblich ist, dann wird da auch nicht darüber nachgedacht oder gesprochen“, so Tobias.
Mit solchen Facebook-Gruppen sollen aber auch die Studierenden ans Unternehmen gebunden werden und als Multiplikator dienen, wenn Alumni-Events anstehen. „Unsere Ehemaligen haben ganz klar einen Mehrwert“, so Tobias. So könnten sie zukünftig zum Beispiel in Vorträgen Unternehmen aus Australien vorstellen, die Deutsche rekrutieren wollen. Wie genau das aussehen soll, steht aber noch nicht fest. „Wir haben das Alumni-Netzwerk bisher nicht sehr aktiv betrieben“, gibt Tobias zu. Zwar haben sie auch Profile auf Xing und LinkedIn, auf denen sie Events und Informationen posten. „Aber da kann man natürlich noch mehr machen und da konzipieren wir gerade, was man den Leuten mehr bieten kann, vor allem den Ehemaligen“. Weitere Details möchte Tobias allerdings noch nicht verraten. Anlaufen soll das neue Alumni-Konzept im Herbst.

Sydney von oben mit Opernhaus und Harbour Bridge

Sydney ist eines der beliebtesten Ziele für die Studierenden. Foto: GOstralia!-GOzealand!

Kulturelle Unterschiede akzeptieren

Wichtig findet Tobias das Alumni-Netzwerk auch deshalb, damit sich Ehemalige untereinander austauschen können. „Du kannst deinem Kumpel von zu Hause von deinen Erlebnissen erzählen, wirklich kapieren wird er es aber nicht“, sagt Tobias, „das Erlebte nachvollziehen können nur Gleichgesinnte, die auch schon einmal in der Rückkehr-Depression gesteckt haben.“ Im Endeffekt sei das Erlebnis eine so tiefe, verändernde Erfahrung, dass es für andere schwer sei, das zu verstehen. „Die Quintessenz ist, du machst es für dich und du kannst es mit niemandem teilen.“ Auch könne die Sicht auf Deutschland nach der Rückkehr eine andere sein, da sie jetzt vergleichen können. „Ich glaube, man bekommt eine gesunde, objektive Perspektive auf das Sein in Deutschland“, sagt Tobias. Allerdings solle man auch nicht ständig vergleichen und Sachen im einen Land besser oder schlechter finden. „Die Rückkehrer müssen akzeptieren, dass es anders ist und es einfach so akzeptieren, wie es ist.“

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