Rückkehrer als Markenbotschafter

Egal ob Au Pair, Work and Travel oder Studium – AIFS ist breit aufgestellt und schickt jedes Jahr 5.000 Deutsche ins Ausland. AIFS ist eine der größten und ältesten Agenturen im Bereich Auslandsaufenthalt. Einzigartig ist auch das Konzept, Rückkehrer als Marketinginstrumente einzusetzen.

Etwa jeder zehnte Teilnehmer eines AIFS-Programmes entscheidet sich, am so genannten Bonusprogramm beziehungsweise Returnet teilzunehmen. Pro Jahr sind das 500 neue „Markenbotschafter“, die auf Events wie Infoveranstaltungen oder Messen das Unternehmen AIFS bewerben.

Ein Porträt von Miriam Ströder

Miriam Ströder vom AIFS-Marketing. Foto: privat

Miriam Ströder arbeitet bei AIFS im Marketing und betont die Win-Win-Situation. „Die Returner können von ihrem Auslandsaufenthalt berichten und wir haben die authentischste Form von Werbung für unsere Programme und unsere Marke“, sagt sie. Die Rückkehrer bekommen für ihre Einsätze so genannte Credits, die sie dann gegen Gutscheine einlösen können. Nach dem bisherigen Punktesystem erhielt ein Returner für 250 Credits einen Amazon-Gutschein im Wert von 50 Euro. Der höchste Preis war bisher der Flug-Gutschein im Wert von 400 Euro – dafür musste man 1.000 Credits gesammelt haben.

Returner müssen jetzt mehr Einsätze zeigen

Ab Juni wird das Punktesystem jedoch umgestellt. De facto müssen die Returners dann auf mehr Veranstaltungen gearbeitet haben, um Gutscheine vom selben Wert zu bekommen wie vor der Änderung – eine klare Herabstufung. Miriam erklärt das so: „Wir wollen durch die Änderungen mehr Returner von verschiedenen Programmen einsetzen und unsere gesamte Produktpalette abdecken.“ Daher musste das Punktesystem so verändert werden, dass „wir uns das auch leisten können“, so Miriam. Für sie ist aber das Prämiensystem ohnehin attraktiver, seit AIFS mit dem Gutscheinportal Cadooz zusammen arbeitet. Die Auswahl sei größer und nun seien auch Shopping-Gutscheine wie beispielsweise von Zalando oder H&M mit dabei. Miriam zufolge würden es ganz viele Ehemalige aber auch umsonst machen, „weil sie einfach Lust und Freude daran haben, von ihrer Zeit zu berichten und uns zu unterstützen.“ Ganz so euphorisch ist nicht jeder.

So funktioniert das Returnet:

Nach ihrer Rückkehr erhalten die ehemaligen Programmteilnehmer von AIFS eine E-Mail mit Informationen zum Returnet und können sich dann als so genannter Returner registrieren. Die Registrierung wird dann an die Zentrale nach Bonn weitergeleitet. Diese wählt den für das Gebiet des Rückkehrers zuständigen Berater aus, der dann mit dem Rückkehrer in Kontakt tritt und ihn auf Veranstaltungen einlädt. Auf Messen zum Beispiel beraten die Returner junge Menschen, die sich für einen Auslandsaufenthalt interessieren. Auch gibt es Vorbereitungstreffen von Au Pairs, die bereits im Programm angemeldet sind und gerade im Vermittlungsprozess mit einer Gastfamilie sind. Dort treten die Returner dann als Mentoren auf, berichten von ihren Erfahrungen, beantworten Fragen und geben Tipps für einen erfolgreichen Aufenthalt.

Punkte wichtiges Motiv

Die Rückkehrerin und Returnet-Teilnehmerin Vicky ist sich sicher: „Ich würde es nicht mehr so exzessiv machen wie jetzt. Momentan richte ich es mir ein, dass ich auf solche Veranstaltungen kommen kann. Wäre es unentgeltlich, würde ich zum Beispiel nicht mehr extra frei nehmen.“ Shirin, die ebenfalls als ehemaliges Au Pair auf Messen für AIFS wirbt, sieht das ähnlich und findet die Umstellung des Systems unverständlich. „Klar macht man es am Anfang, weil man noch seine Erfahrungen teilen möchte, aber man ist eigentlich schon wegen der Punkte da.“

Vicky und Shirin bei einem Au Pair-Vorbereitungstreffen

Die Rückkehrer Vicky (rechts) und Shirin erzählen zukünftigen Au Pairs von ihren Erlebnissen in Neuseeland. Foto: Sonja Nowack

Vicky Wagner war acht Monate lang als Au Pair in Neuseeland, Shirin Hörner für ein Jahr. „Ich hatte mal ausgerechnet, man kriegt momentan für zwei Messen einen 50 Euro Amazon-Gutschein. Nach dem neuen Bonussystem muss man fünf Messen machen, um einen 50 Euro-Gutschein zu bekommen“, erklärt die 22-jährige Vicky. Das sei ein massiver Rückgang.

Anmeldezahlen gleich geblieben

Die Umstellungsphase läuft seit einem halben Jahr, sodass die ältere Generation der Returner noch nach dem alten System ihre Punkte voll machen kann. Die neuen Returner landen automatisch im neuen Punktesystem. Die Anmelde-Zahlen hätten sich laut Miriam in diesem Jahr auch nicht verändert. „Es steht ja überall, was sie für den Einsatz bekommen, es ist ja nicht so, dass ihnen etwas versprochen wird, was nicht passiert“, so Miriam. Die meisten Teilnehmer am Returner-Programm sind um die 20 Jahre alt und weiblich.

Motivation der Returner könnte sich ändern

In ganz Deutschland gibt es etwa hundert Beraterinnen. Ihre Aufgabe: In Interviews mit den Bewerbern entscheiden, ob diese geeignet sind. „Ich überprüfe die Englischkenntnisse und die Motivation der Bewerber“, erklärt Simone. Außerdem organisiert sie im Großraum Frankfurt Marketing-Events wie Messen, Infoveranstaltungen oder Besuche in Schulen.

Simone Wagner bei einem Vortrag

Simone Wagner bereitet zukünftige Au Pairs für Neuseeland und Australien vor. Foto: Sonja Nowack

Zukünftige Au Pairs hören Simone Wagners Vortrag an

Das Au Pair-Vorbereitungstreffen in Frankfurt am Main. Foto: Sonja Nowack

In ihrem Einzugsgebiet steht sie mit 20 bis 50 Returnern in Kontakt. „Punkte zu sammeln war die ganze Zeit der Hauptbeweggrund. Ab Juni wird das System weniger lukrativ, deswegen denke ich auch, dass sich die Motivation zur Teilnahme ändert.“ Sie vermutet, dass die Returner zu Beginn noch motiviert sind, von ihren Erlebnissen zu berichten, dass aber nur noch die wenigsten die drei maximal möglichen Jahre als Returner durchhalten werden.

Einzigartiges Bonusprogramm

Dass zukünftige Teilnehmer mit Rückkehrern sprechen, ist oft auch der ausschlaggebende Punkt, dass sie sich dann ebenfalls für Programme von AIFS bewerben. „Die Interessierten haben am Anfang so viel Angst und trauen sich nicht, aber nach dem Gespräch mit Returnern sind sie ermutigt“, erzählt Miriam. Die Returner leisten einen „tollen Beitrag, wenn es um die Kundengewinnung geht“, sagt Miriam. Genaue Zahlen, inwieweit die Arbeit der Returner die Neubewerbungen beeinflussen, gibt es allerdings nicht. „Returner überzeugen durch ihre Authentizität. Sie haben all die Ängste durchgemacht, die die Interessierten auch haben.“ Rückkehrer, die in so umfangreichem Maße an Marketing-Aktionen in Form von Punkten und Prämien an eine Firma gebunden werden – etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland in der Branche nicht. „Da scheinen wir ziemlich einzigartig zu sein“, sagt Miriam. Auch sei es eine schöne Methode, um in Kontakt zu bleiben. Sowohl für AIFS mit den Ehemaligen als auch für die Teilnehmer untereinander, die sich über ihre Erfahrungen austauschen können.

Fernweh durch Erzählen

Die Returner Vicky und Shirin genießen es, auch nach über einem Jahr zurück in Deutschland noch über ihre Zeit in Neuseeland sprechen zu können und in den zukünftigen Au Pairs interessierte Zuhörer zu haben. „Es ist schön, das erzählen zu können, was die Freunde nicht mehr hören wollen oder schon gehört haben“, sagt die 21-jährige Shirin. Das ist vor allem bei den Vorbereitungsseminaren der Fall, bei denen die meisten Au Pairs bereits eine Familie in Neuseeland oder Australien gefunden haben und Fragen an die erfahrenen Ex-Au Pairs stellen können. Bei Messen sei das anders, denn da sprechen sie sich auch den Mund fusselig für junge Mädchen, die dann vielleicht gar nicht ins Ausland gehen. Dennoch sprechen die Mädchen gerne über ihre Zeit in Neuseeland. „Dann erlebe ich es nochmal ein bisschen und will eigentlich wieder direkt weg“, so Vicky. Bei den Events habe sie schon viele andere Returner kennen gelernt. „Ich finde, wir sind wie eine kleine Familie. Wir verstehen uns total gut, obwohl wir uns kaum kennen. Die ähnliche Erfahrung im Ausland verbindet.“

AIFS

AIFS ist eine Tochter der American Institute For Foreign Study Group (AIFS), ein Anbieter im Bereich Educational Travel mit Hauptsitz in Stamford, USA. AIFS beschäftigt weltweit knapp 500 Mitarbeiter und hat Büros in Deutschland, England, Frankreich, Polen und Australien. Seit der Gründung 1964 haben mehr als 1,5 Millionen junge Menschen weltweit an den Programmen teilgenommen. 1985 startete AIFS als erster Anbieter das Au Pair Programm in den USA. Es ist das erste von der amerikanischen Regierung genehmigte Au Pair Programm. AIFS bereitet junge Menschen auf den Auslandsaufenthalt vor, bucht die Flüge, organisiert die Visa und unterstützt die Teilnehmer und deren Familien auch während und nach ihrem Auslandsaufenthalt in allen Belangen. Für Australien und Neuseeland bietet AIFS unter anderem die Programme Au Pair, Studium, Schüleraustausch und Work and Travel an.

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